Jakob schließt Frieden mit Laban und geht zu Esau. Ob das gut geht?

Ich bin Jakob, du kennst mich ja schon. Gerade hat sich der Bruder meiner Mutter, Laban, auf den Heimweg gemacht. Wir haben einen Friedensvertrag geschlossen. Lange habe ich ja bei ihm gearbeitet, doch nun will ich mit meinen Frauen und Kindern, Knechten und Mägden und allen meinen Tieren zurück in das Land, in dem ich geboren bin. Ich will meinen Bruder Esau, dem ich den Segen abgeluchst habe, wieder sehen. Ich will ihn um Verzeihung bitten. Das macht mir ein mulmiges Gefühl im Bauch. Hoffentlich gelingt es.

Lange habe ich überlegt, wie ich Esau mir gegenüber gnädig stimmen kann. Da habe ich einen verlässlichen Knecht ausgewählt und ihm eine Nachricht mit auf den Weg zu Esau gegeben. Er soll ihm folgende Nachricht bringen: "Jakob, dein Knecht, war lange bei Laban gewesen, bis jetzt. Er hat viel Besitz erworben. Ihm gehören Rinder, Esel, Schafe und Ziegen, dazu Knechte und Mägde. Das lässt er dir sagen, damit er Gnade bei dir findet."

Einige Tage vergingen, mein Knecht kam wieder. Aufgeregt erzählte er: "Ich war bei Esau gewesen. Er zieht dir schon entgegen und hat 400 Männer bei sich."

Ich erschrak! 400 Männer? Da musste ich handeln. Ich brauchte zwei Lager. Also teilte ich meine Tierherden in zwei Teile, ebenso meine Knechte, Mägde, Kinder und Frauen. Mein Plan war der, greift Esau ein Lager an, kann das zweite Lager entkommen. Diesen Plan setzte ich durch.

Und, und das war nicht weniger wichtig; ich betete zu Gott, dem haben mein Großvater und mein Vater schon vertraut. 

"Gott, hast du nicht zu mir gesagt: 'Gehe zurück in dein Land, zurück zu deiner Verwandtschaft?' Hast du mir nicht versprochen: 'Ich bin mit dir und lasse es dir gut gehen, Gott?' Rette mich doch vor Esau! Ich habe Angst, dass er mich erschlägt und meine Frauen und Kinder dazu. Gott, du hast mir doch versprochen, dass es mir gut geht und ich unzählig viele Nachkommen haben werde." Beten beruhigt mich. Ich bin mit meinen Sorgen nicht alleine, denn ich habe sie ja Gott erzählt.

Nun schmiedete ich weitere Pläne. Ich stellte ein Geschenk für Esau her. Es waren Tierherden. Ziegen und Ziegenböcke, Mutterschafe und Widder, Kühe, Esel und Kamele. Für jede Sorte einen Knecht. Die Knechte hatten eine genaue Anweisung von mir: "Treibt die Herden vor uns her und lasst einen deutlichen Abstand zwischen den einzelnen Tierherden. Wenn ihr auf Esau trefft, dann wird der euch sicherlich fragen: 'Zu wem gehörst du? Wo gehst du hin? Wem gehören die Tiere?' Und dann sollst du antworten: 'Sie gehören deinem Knecht Jakob. Die Tiere sind ein Geschenk für dich. Jakob kommt hinter mir.'"

Ich hoffte, dass die großzügigen Geschenke und auch, dass ich mich Knecht nannte, Esau besänftigen würden. Ich hatte mir überlegt, dass ich jetzt anerkenne, dass Esau mein älterer Bruder ist. Er hat das Erstgeborenenrecht. Er ist der Chef der Familie und ich - sozusagen - einer seiner Knechte.

Wir kamen meinem Heimatland immer näher. Dazu mussten wir an einer flachen Stelle einen Fluss überqueren. Das war ein bisschen schwierig. Zuerst die Frauen und die Kinder, dann unser ganzes Gepäck. Es war ein langer Tag und ich blieb am Ende des Tages alleine an der einen Uferseite des Jabbok zurück. Die anderen waren alles schon durch den Fluss. Ich hatte mich entschieden, das dann morgen bei Tagesanbruch und mit hellerem Licht zu machen.

Und plötzlich war da jemand neben mir. Ich sah nicht, wer. Es kam zu einem Kampf zwischen dem und mir. Wir kämpften die ganze Nacht. Wir waren ungefähr gleichstark. Da packte mich der andere an meiner Hüfte und renkte sie mir aus. Dann sagte er zu mir: "Lass mich los, die Sonne geht gleich auf!"

Ich hielt ihn fest und forderte: "Segne mich! Dann lasse ich dich los."

Da fragte mich der andere: "Wie heißt du?" Ich antwortete: "Jakob."

Der andere sagte zu mir: "Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel. Israel bedeutet 'der Gotteskämpfer.' Denn du hast mit Gott und den Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben."

Ich bat den Fremden: "Sag mir doch deinen Namen?" Doch der antwortet mir nicht. Aber er segnete mich. Dann ließ ich ihn los.

Nachdem ich mich ausgeruht hatte, watete ich vorsichtig durch den flachen Bach. Meine Hüfte schmerzte und ich ging ganz schief.

Und als ich auf der anderen Seite des Flusses angekommen war und aufschaute, da sah ich Esau kommen mit seinen 400 Männern.

Schnell stellte ich meine Familie zusammen. Zuerst die Mägde mit den Kindern. Dann Lea mit ihren Kindern. Zum Schluss Rahel mit Josef. Ich selbst ging voraus.

Vor Esau verneigte ich mich siebenmal. Esau kam mir entgegengelaufen. Er fiel mir um den Hals und küsste mich. Wir weinten beide. Dann stellte ich Esau meine Familie vor. Alle kamen und verneigten sich vor Esau.

Esau nahm mich zur Seite: "Bruder, sag, was haben all die Tiere zu bedeuten, die mir unterwegs entgegengekommen sind?" Ich antwortete: "Mein Herr, damit wollte ich mich bei dir entschuldigen und deine Gnade finden."

Doch Esau winkte ab: "Behalte, was dir gehört, Jakob. Ich habe selbst genug." Doch ich blieb standhaft: "Bitte Esau, nimm mein Geschenk an. Du hast mich hier so freundlich begrüßt. Nimm mein Geschenk an. Ich selbst habe noch genug Tiere, um mein Auskommen zu haben." Ich musste Esau regelrecht überreden, bis er dann doch meine Tiere annahm.

Dann wollte Esau mit uns aufbrechen und weiterziehen. Nachhause.

Doch ich musste an die Schwächsten meiner Gruppe denken. Die Kinder und die Jungtiere. Die kommen nicht so schnell voran. Das erklärte ich Esau. Esau bot mir noch an, einige seiner Männer bei meiner Gruppe zu lassen. Doch das lehnte ich dankend ab. Ich hatte genug Knechte und Mägde dabei. Das sagte ich ihm auch so. Und nochmals erzählte ich ihm, wie glücklich ich bin, dass er mich so freundlich aufnimmt.

Ja, richtig glücklich war ich. Gott hat gehalten, was er mir versprochen hat. Ich bin unbeschadet wieder zu Hause angekommen. Meinen Frauen und Kindern geht es gut. Ich habe die Tierherden gut über den langen Weg gebracht.

Ich habe ja schon am Anfang erzählt, dass ich heute als sehr alter Mann in Ägypten lebe. Das hat mit meinem Sohn Josef zu tun. Doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Nächste Woche fängt etwas Neues an. Musik tut gut! So heißen dann drei Folgen. Was erzählt uns die Bibel zum Thema Musik? Sei neugierig und lass dich überraschen.

1. Mos 32,1 - 33,16

29.6.2024

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Jakob überlistet Laban - und geht heim.