Nele versteht, dass David mit seiner Musik auf der Harfe, Sauls finstere Gedanken vertreiben kann.
Musik tut gut, das ist gerade das Thema in Neles Religionsunterricht. Und das Thema beschäftigt Nele. Sie ist eine aufmerksame Musikhörerin geworden. Sie merkt: Musik kann nerven oder guttun. Wenn der alte Mann von nebenan laut seine Blasmusik hört, dann ist Nele schnell genervt. Manchmal nerven sie auch die Kindergarten-Kinderlieder die Paul so gerne hört und teilweise schon mitsingen kann. Doch wenn Nele ihre Musik hören kann, dann findet sie Musik einfach gut. Da kann sie abschalten und träumen, da verfliegt die schlechte Laune und sogar so blöde Sachen wie Zimmeraufräumen gelingen ihr dann flink.
Und wenn sie dann gut gelaunt aus ihrem Kinderzimmer kommt, dann kann es schon sein, dass sie wieder das Lied aus dem Religionsunterricht trällert.
La la la laaalala .....
Die Mutter wunder sich dann nicht. Hat ihr doch die Oma vom Gespräch mit Nele aus der letzten Woche erzählt.
Heute ist wieder Religionsunterricht und Nele ist schon gespannt, wie es weiter geht mit: Musik tut gut.
Die Religionslehrerin lässt erst mal die Kinder erzählen, ob sie was Neues beim Musikhören entdeckt haben. Viele erzählen so ähnliche Erfahrungen wie Nele sie auch gemacht hat.
Und dann sind die Kinder in den Erzählkreis eingeladen, denn die Religionslehrerin will eine biblische Geschichte erzählen. Nele ist schon ganz gespannt.
Als alle ihren Platz gefunden haben und ruhig geworden sind, beginnt die Religionslehrerin:
"Kinder, wir sind am ersten Königshof in Israel. Saul wurde vor einiger Zeit zum König gesalbt. Das ist was ganz Neues im alten Israel. Der Königshof wurde auch erst eingerichtet. Es gab schon Diener und Mägde, die kochten und aufräumten und dem König den Alltag bequem machten. Es gab auch junge Männer, die sich um die Waffen des Königs kümmerten. Auch Gesandte gab es, die zu den Menschen gingen und sich umhörten, was den Leuten denn so fehlte. Und andere Gesandte schauten nach den Feinden, nicht, dass sie ein kleines Heer vorbereiteten, um mal schnell Israel zu überfallen. Es war einiges los an diesem Königshof. König Saul hatte viel zu bedenken und zu entscheiden. Das machte er auch gerne. Nur ... manchmal gab es Tage, da konnte er sich nicht entscheiden, da konnte er nicht denken ... da war er wie gelähmt und traurig. Manchmal war er auch ohne ersichtlichen Grund wütend und zornig. Die Menschen im Königshof hatten Angst vor solchen Tagen. Da war ihnen der König fremd, sie hatten Mitleid mit ihm und fürchteten seinen Zorn. Die Menschen am Königshof besprachen sich miteinander, wie es dem König besser gehen könnte. Die Mägde überlegten, ob es am Essen lag, sollten sie lieber andere Speisen zubereiten? Andere überlegten, ob es an ihnen lag, sollten sie sich anders verhalten? Noch freundlicher sein, vielleicht?
Doch einer sagte frei heraus: 'Saul hat Tage, da ist er vom guten Geist Gottes umgeben und an anderen Tagen schickt Gott den Geist, der seine Stimmung verfinstert. Was machen wir mit dieser Erkenntnis?' Sie überlegten ein paar Tage und dann ging ein junger Mann zu Saul und suchte das Gespräch an einem guten Tag: 'Saul, du hast gute heitere Tage und schwere graue Tage. Du kannst da nichts dagegen machen. Doch wir denken du solltest dir helfen lassen. Wir haben überlegt, dass dir vielleicht Musik guttut. Was meinst du? Sollen wir das mal probieren?'
Saul nickte. Ja, es machte ihm Hoffnung, denn er selbst fand seine schlechten Tage auch furchtbar. Also sagte er: 'Bringt mir einen jungen Mann, der gut Harfe spielen kann.'
Die Menschen am Hof überlegten, ob sie einen jungen Harfenspieler kannten, den man zu Saul bringen konnte. Da strahlte einer auf und sagte: 'Ich weiß einen! David aus Bethlehem kann gut Harfe spielen und ist ein gescheiter junger Mann, der auch mutig ist und sicherlich ein guter Soldat ist. Und, Gott steht auf seiner Seite, ich bin mir sicher.'
Gesagt, getan. David wurde an den Königshof geholt. Das war eine große Ehre für ihn, der eigentlich die Schafe seines Vaters hütete.
Wenn der König einen schlechten Tag hatte, dann wurde David zu ihm gebracht und er spielte seine Harfe. Man konnte zusehen, wie der König Saul dann ruhiger wurde, befreit aufatmete und es ihm besser ging. Die schlechte, traurige Stimmung verließ den Königshof, so wie eine Wolke am Himmel weiterzieht.
Der König schloss David in sein Herz, denn er machte ihm das Leben wieder schöner. David wurde vom König Saul zu seinem Waffenträger gemacht. So verbrachten sie noch viel mehr Zeit miteinander."
Jetzt war die Religionslehrerin fertig mit der Geschichte. Gemeinsam überlegten die Kinder, wie die Musik wohl gewesen war, die David mit seiner Harfe gemacht hatte.
Sie waren schnell einig. Es musste eine ruhige Musik gewesen sein, die gleichmäßig war und manchmal, wie Himmelsmusik geklungen haben musste. Eine Musik zum Träumen.
Dann kam noch eine Aufgabe für das Heft. Die Religionslehrerin sagte: "Schreibe drei Sätze zu der Geschichte und male ein Bild von der Musik."
Nele glaubte nicht richtig gehört zu haben. Ein Bild von der Musik? Wie sollte das denn gehen, es wäre ja schon schwierig Saul und David und die Harfe zu malen. Als fragte Nele nach.
"Doch", sagte die Religionslehrerin, "ein Bild von der Musik. Überlege dir als Erstes die Farben, die du gut für so eine himmlische Musik findest. Und dann die Formen, die du verwenden willst, eckig, spitz, rund, oval. Was zeigt gut, wie die Musik die schweren Gedanken des Saul weggepustet hat."
Jetzt hatte Nele eine Idee. Himmelblau, Veilchenviolett und Brombeerrot, diese Farben wollte sie benutzen und runde Formen, so wie Seifenblasen.
Eifrig machte sie sich, und die anderen Kinder auch, an die Aufgabe. Und drei Sätze unter das Bild, das war nicht zu schwierig.
Als der Religionsunterricht um war, gingen die Kinder fröhlich dahin, wo das Mittagessen auf sie wartete.
Nächste Woche erzählt Nele wieder aus dem Religionsunterricht und es geht noch einmal darum, dass Musik guttut.
1. Sam 16,14-23
13.7.2024