Onesimus wird von Paulus getauft. Jetzt ist er ein Christusfreund. Und Paulus denkt über Veränderungen nach.
Mich, den Onesimus kennst du ja schon. Eigentlich bin ich Sklave bei Philemon und Aphia in Kolossä. Doch ich bin geflüchtet und nun am Meer, in der großen Stadt Ephesus angekommen. Hier habe ich von Paulus gehört. Den kannte ich ja schon aus Briefen, die bei den Versammlungen der Christen im Haus von Philemon vorgelesen wurden. Dieser Paulus hat einen Satz geschrieben, der mich aufhorchen hat lassen und mein ganzes Leben verändert hat: "Zur Freiheit hat euch Christus befreit!" Dieser Satz war es, der mich von Philemon weggehen hat lassen. Und dieser Paulus saß in Ephesus im Gefängnis. Da bin ich gleich, nach meiner ersten Nacht im Theater von Ephesus hingegangen. Ich bin den Paulus suchen gegangen und habe ihn dann besucht. Und Paulus kann mich gut gebrauchen. Paulus ist krank - immer wieder. Manchmal hat er auch gute Tage. Ich kaufe für Paulus ein, das kann er ja als Gefangener nicht. Ich wasche ihm seine Wäsche am Waschplatz, und besorge ihm neues Papier, so kann er weiter seine Briefe an die unterschiedlichen Gemeinden schreiben. Und sind die Briefe dann fertig, bringe ich sie weg. Sogar ein wenig Kochen habe ich gelernt. Eine Gemüsesuppe kann ich schon recht ordentlich. Es vergeht Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Mit dem Paulus habe ich mich angefreundet und er sich mit mir. Liebevoll sagt er manchmal zu mir: "Mein Nützling." Paulus hat mir erklärt, dass Onesimus übersetzt: der Nützliche heißt. Und ich bin Paulus nützlich und darauf bin ich stolz. Paulus erzählt mir von seinem Glauben, immer und immer wieder. Er erzählt mir, dass Gott Himmel und Erde gemacht hat, dass er mit Mose an der Spitze seine Israeliten von Ägypten in die Freiheit geführt hat. Und, und das ist das Besondere, er erzählte mir von seinem Glauben an Jesus Christus. Er ist der, der uns frei macht. Er ist für alle Menschen am Kreuz gestorben und wurde begraben und am dritten Tage ist er dann wieder auferstanden. Als ich das zum ersten Mal hörte, konnte ich es gar nicht glauben. Doch so nach und nach fanden die Gedanken und Sätze von Paulus einen Platz in meinem Kopf und, das ist eigentlich noch viel wichtiger, einen Platz in meinem Herzen. Ja, ich wollte irgendwie dazu gehören, zu diesen Christusfreunden. So nahm ich eines Tages meinen ganzen Mut zusammen und fragte Paulus: "Wie kann ich denn ein Christusfreund werden?" Fröhlich schaute mich Paulus an und sagt: "Das ist doch ganz einfach. Du musst dich taufen lassen!"
Ganz einfach, einfach taufen lassen. Wie sollte das denn gehen, ich hatte keine Ahnung. Vorsichtig fragte ich nach: "Und wie geht das, sich taufen zu lassen?"
"Das ist ganz einfach. Wir brauchen nur Wasser dazu. Das haben wir sogar hier im Gefängnis. Willst du dich taufen lassen?"
Ich wollte eigentlich schon, doch dann vielleicht doch nicht. Was habe ich davon, wenn ich getauft bin? Was habe ich davon, nicht getauft zu sein?
Paulus sagte ich, dass ich noch ein paar Nächte darüber schlafen möchte. Paulus drängelte mich nicht.
Jetzt lag ich also schon einige Tage im Theater von Ephesus auf meiner Steinstufe und schaute dem Mond und den Sternen zu und dachte immer wieder über die Taufe nach.
Dieser Gott hat Himmel und Erde gemacht. Dieser Jesus Christus war tot und wieder auferstanden. Er ist stärker als der Tod. Das beeindruckte mich schon. Und so ging ich eines Morgens zu Paulus und sagte: "Paulus, ich will getauft werden." Paulus freute sich. "Lass uns das morgen machen. Wasch unsere Kleider heute, wir wollen morgen schön sauber sein. Und koch doch für das Festessen danach deine gute Gemüsesuppe und morgen kaufst du frisches Brot, Weintrauben, Oliven und eine Winzigkeit Käse ein. Das wird ein Fest." Paulus steckte mich mit seinen Ideen zur Festvorbereitung an. Ich wurde ein klein wenig nervös. Und dann war er auch schon da, der Tag meiner Taufe.
Paulus machte es ganz feierlich. Er fragte mich, ob ich wirklich getauft werden wollte. Ich sagte: "Ja!" Er fragte mich, ob ich an Gott, den Himmlischen Vater glaube und an Jesus Christus, seinen Sohn. Ich sagte: "Ja!" Er fragte mich, ob ich zur Gemeinschaft der Christusfreunde dazugehören möchte und ich sagte: "Ja!"
Dann sollte ich meinen Kopf vorbeugen und Paulus schüttete mir dreimal eine Handvoll Wasser über den Kopf und sagte dabei: "Ich taufe dich auf den Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Dann sprach er noch ein Gebet und dann war es schon geschehen und ich war getauft.
Gemeinsam aßen wir Suppe und Brot, Käse, Weintrauben und die Oliven. Es schmeckte mir köstlich.
Am Ende des Tages umarmte mich Paulus: "Herzlich willkommen, Bruder, in der Gemeinschaft der Christusfreunde!" Bruder hat er zu mir gesagt, der große und bekannte Paulus. Bruder! Es machte mich ein wenig schwindelig.
"Morgen", sagte Paulus dann noch: "Morgen müssen wir über Philemon reden, Onesimus!"
Das machte meine festliche Stimmung gleich etwas betrübt. Was gibt es da zu reden? Ich war sein Sklave und bin abgehauen.
In dieser Nacht schlief ich unruhiger als sonst. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf: "Ich, der Bruder von Paulus." Ich, der abgehauene Sklave. Ich bin ein Christ. Und wie ist das mit der Freiheit?" So viele Gedanken.
Am nächsten Tag sagte Paulus: "Onesimus hör dir mal meine Gedanken an. Ich kann dich hier sehr gut gebrauchen. Du bist mir so nützlich, ohne dich wäre mein Leben hier im Gefängnis viel anstrengender und wenn ich dann schlechte Tage habe, dann ist meine Kraft gleich zu Ende. Auf der anderen Seite denke ich: Du gehörst zu Philemon."
Mir wurde angst und bange: "Willst du mich wegschicken, Paulus?"
"Nein, ich schicke dich nicht einfach so weg. Ich schreibe einen Brief an Philemon und du bist der Bote, der den Brief zu Philemon bringt. Du mein nützlicher Onesimus", sagte Paulus. Und weiter sagte er: "Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht. Doch der Brief ist noch nicht fertig gedacht und geschrieben ist er auch noch nicht. Du kannst noch einige Tage mein Nützling sein."
Oje, oje, zurück zu Philemon. Und was schreibt Paulus ihm wohl? Und wie wird Philemon reagieren, wenn er mich sieht? Und wie wird er reagieren, wenn er den Brief von Paulus liest? Und was hat das alles mit der Freiheit zu tun, zu der uns Christus befreit?
Viele große Fragezeichen in meinem Kopf.
Doch Tag für Tag und Nacht für Nacht gewöhnte ich mich ein wenig mehr an den Gedanken, den Brief an den Philemon zu ihm zu tragen, so wie ich viele andere Briefe zu Gemeindevorstehern in Ephesus getragen habe.
Nächste Woche erzähle ich dir aus dem Brief des Paulus an den Philemon und ein wenig von Onesimus Weg zurück.
Philemon
17.8.2024