Im Psalm 18 erzählt einer, wie er Gott erlebt hat. Darüber denkt Nele im Religionsunterricht nach.
Heute sind wir ja Mäuschen bei Nele im Religionsunterricht. Der fängt an wie immer. Es wird ein Lied gesungen und eine Kerze angezündet.
Zunächst verteilt die Religionslehrerin die Bilder von der letzten Stunde, die sie ausgedruckt hat. Jedes Kind klebt sein Kunstwerk, wie er denkt das Gott sei, in sein eigenes Heft. Nele ist da ratzfatz fertig und freut sich, dass will sie heute am Nachmittag der Mama zeigen.
Und dann geht es los. Hefte schließen, Ordnung auf dem Tisch und dann nach vorne schauen. Die Religionslehrerin heftet bunte Blätter mit je einem Wort darauf an die Tafel. Sie lässt die Wörter vorlesen:
Fels, Burg, Quelle, Licht, Retter, Wegbegleiter
So sagt sie, die Worte habe ich aus einem uralten Lied, das in der Bibel steht. Es ist der Psalm 18.
Was meinst du, worum es in dem Lied geht? Denke auch an unser Thema im Religionsunterricht in diesen Wochen.
Erst ist es ganz still im Raum. Man kann die Kinder fast denken hören. Dann gibt es zaghafte Wortmeldungen. Alle kommen dran.
"Ein Sonntagsausflug mit der Familie." "Ein Wochenende bei den Pfadfindern." "Es geht um Gott." "Wie, es geht um Gott?"
So richtig weiter kommen die Kinder nicht. Die Religionslehrerin muss etwas helfen.
"Also ich helfe euch ein wenig. Wir bilden sechs Gruppen. Jede Gruppe bekommt eines der Wörter und ihr tragt zusammen, was euch zu dem einzelnen Wort einfällt. Schreibt euere Einfälle einfach dazu." Schnell waren die Gruppen gebildet. Die unruhigsten Jungs haben sich bei dem Blatt mit dem Wort Burg eingefunden. Nele und ihre Freundin Inge waren mit anderen Mädchen beim Wort Retter gelandet.
Eifrig diskutierten sie, was den ein Retter so ist, was er macht. Wo sie schon mal Rettung erfahren haben. Als der Papa ein Mädchen aus dem Fluss gezogen hat, in den sie gefallen war. Als die Mama die Angst in ihrem Kind erkannte und es fest in die Arme genommen hat. Wo die Freundin Trost gespendet hat und Mut gemacht hat, bei einer schlechten Note.
Alle Gruppen waren eifrig bei der Sache. Manche hatten schon ganz viele Dinge aufgeschrieben, manche erst einige. Die Religionslehrerin schlug ihre Klangschale an und alle Gruppen sollten mit ihren Blättern in den Sitzkreis kommen.
Nun stellten sie ihre Ergebnisse vor. Die Jungs von der Burg erzählten, wie geschützt man in einer solchen Burg ist, die Feinde haben es schwer da hineinzukommen. Die Gruppe "Felsen" erklärte, dass ein Felsen hart ist und man einen festen Untergrund hat, nicht Sand, der einfach weggeweht werden kann. Die Gruppe "Quelle" erzählte, dass frisches, klares Wasser erfrischt und lebenswichtig ist. Die "Licht"-Gruppe hatte es leicht, fand Nele, die erzählte, dass Licht die Dunkelheit vertreibt. Dann gab es noch die Gruppe "Wegbegleiter", das ist einer, der den Weg kennt, der einen nicht alleine in der Fremde stehen lässt, der Verantwortung übernimmt. Und was Neles Gruppe erarbeitet hat, wissen wir ja schon.
Dann stellte die Religionslehrerin nochmals ihre Frage: All die Wörter haben mit unserem momentanen Religionsthema zu tun.
Und jetzt sprangen die Arme nur so in die Luft. Fast alle wollten was sagen. Es geht um Gott. Es geht darum, wie Gott ist. Na klar!
Und sie bildeten Satzreihen. Gott ist wie eine Burg, da bin ich in Sicherheit. Gott ist wie eine Quelle, da kann ich mich erfrischen. Gott ist ein starker Fels, ich habe einen sicheren Untergrund. Gott ist wie das Licht, er vertreibt die Finsternis. Gott ist wie ein Retter, er hilft mir in der Not. Gott ist mein Wegbegleiter, er ist einfach da. Noch viel mehr Sätze fielen den Kindern ein.
Jedes Kind sollte nun mindestens drei solche Sätze in sein Heft schreiben. Das war nicht schwer.
Dann holte die Religionslehrerin ihre Bibel aus ihrer Büchertasche und alle setzten sich nochmal in den Kreis.
Ich lese euch jetzt den Psalm 18 vor. Vieles davon wisst ihr jetzt schon. Ihr seid ganz von alleine darauf gekommen.
Ich will dich erheben, Gott, meine Stärke,
Mein Fels, meine Burg, mein Retter, Schutz mir und Zuflucht!
An den Grenzen des Todes stand ich, am Abgrund des Totenreichs.
Schrecken und Angst schlossen mich ein, als sänke ich in große Wasser.
In meiner Not rief ich zu dir, da hörtest du mein Rufen.
Du sahst meine Angst aus der Höhe, und zogst mich aus der Flut.
Du führtest mich auf einen neuen Weg, du halfst mir heraus an den lichten Tag.
Ja, du bist mein Licht! Du machst meine Finsternis hell!
Mit dir überwinde ich Mauern, mit dir übersteige ich mein Elend.
Du gibst mir Kraft. Du ebnest meinen Weg.
Du machst meine Füße leicht, den Hirschen gleich,
du leitest mich über die Berge meiner Sorge.
Du bist der lebendige Gott, Quelle alles Lebens für mich.
Du bist der Fels, auf dem ich sicher stehe.
Ich will dir danken, jetzt und ewig, mit der Stimme des Lobgesangs.
(Eine Übertragung von Jörg Zink)
Bei manchen Sätzen haben einzelne Kinder genickt, bei anderen etwas verständnislos geschaut.
Nun bekommen sie alle den Text für ihr Heft und sollen mindestens drei Sätze, die sie überrascht haben, mit ihrer Lieblingsfarbe unterstreichen.
Nele weiß sofort, welche sie nimmt.
Du machst meine Füße leicht, den Hirschen gleich. Das wäre doch was bei der nächsten Wanderung. Und: mit dir überwinde ich Mauern. Und als drittes: Du ebnest meinen Weg.
Dann sagte die Religionslehrerin, ich habe ich euch ja noch ein altes Lied versprochen, nicht so alt wie der Psalm, aber von 1529. Martin Luther hat es gedichtet. Ich singe euch mal die erste Hälfte des Liedes vor.
Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Die Jungs waren begeistert. Sie wollten es sofort lernen. Also sang es die Religionslehrerin nochmals:
Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Die Kinder fingen an dazu mit den Füßen zu stampfen. Die Melodie lud zum Mitmachen ein.
Als die Religionslehrerin den Unterricht beendet hatte machten sich die Kinder singend auf den Heimweg:
Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Nächste Woche ist es schwer, es gibt Momente, da versteht man Gott nicht und fühlt sich ganz alleine. Davon erzählt der Psalm 22.
Ps 18
7.9.2024