Dan weiß, Gott kann man seine Sorgen sagen.
Ich bin Dan, ich lebe im alten Israel in einem kleinen Dorf. Mein Vater ist Hirte für einen Mann, der eine große Herde hat und Hilfe braucht. Mein Vater braucht auch oft Hilfe, da muss ich dann einspringen. Ich bin dann der Hilfs-Hirte. Meiner Familie geht es nicht so gut. Meine Mutter plagt sich ab, uns satt zu bekommen. Sie schafft es, aus Kräutern, die sie an den Wegesrändern findet, ein Gemüse zu unserem Brot zu kochen. Auch geht sie zur Erntezeit mit ihrem Korb über die abgeernteten Felder und sammelt ein, was noch zu brauchen ist. Sie bückt sich für jedes Weizenkorn. So gelingt es ihr oft, uns satt zu bekommen. Aber halt nicht immer. Manchmal müssen wir ohne warmes Essen einschlafen. Das ist schwer.
Ich kann dann nicht einschlafen und mache mir Gedanken und Sorgen. Wie soll das mit uns weitergehen? Warum haben wir nicht das, was wir zum Leben brauchen? Warum verdient der Vater bei dem reichen Schafs-Besitzer nicht genug für seine Familie? Und ich, ich muss so oft helfen und ich verdiene gar nichts. Das ist ungerecht. Manchmal muss ich auch weinen. Ich will aber nicht, dass die Mutter es merkt, sie wird dann auch immer sehr traurig.
Und jetzt habe ich etwas gelernt, wie ich mit meiner Traurigkeit und meinem Kummer etwas besser zurechtkomme. Ich habe im Gottesdienst einen Psalm gehört, der passt wunderbar zu mir und meinen Sorgen.
Ich sage ihn dir mal auf:
Vom Seufzen bin ich ganz erschöpft. Nachts schwimmen meine Augen in Tränen. Meine Schlafmatte ist nass vom Weinen. Meine Augen sind geschwollen. Sie haben ihren Glanz verloren, weil so viele Sorgen um mich herum sind. Macht, dass ihr fortkommt, ihr Sorgen!
Ich habe es jetzt schon ein paarmal ausprobiert. Ihr werdet es nicht glauben, doch es hilft. Immer wenn ich ohne Essen einschlafen soll, dann sage ich mir die Sätze vor. Ich denke an Gott und spreche mit ihm:
Vom Seufzen bin ich ganz erschöpft. Nachts schwimmen meine Augen in Tränen. Meine Schlafmatte ist nass vom Weinen. Meine Augen sind geschwollen. Sie haben ihren Glanz verloren, weil so viele Sorgen um mich herum sind. Macht, dass ihr fortkommt, ihr Sorgen!
Vom Seufzen bin ich ganz erschöpft. Nachts schwimmen meine Augen in Tränen. Meine Schlafmatte ist nass vom Weinen. Meine Augen sind geschwollen. Sie haben ihren Glanz verloren, weil so viele Sorgen um mich herum sind. Macht, dass ihr fortkommt, ihr Sorgen!
Gut, es dauert schon etwas, aber nach einer Weile bin ich ruhig und kann einschlafen. Die Sorgen schwirren mir nicht mehr durch den Kopf. Ich habe alles Gott erzählt und weiß es bei ihm gut aufgehoben.
Manchmal, ganz manchmal rede ich mit meinem Vater darüber, dass wir immer wieder nicht genug zu essen haben. Der Vater ist dann ärgerlich und wütend und aber auch traurig. Ich frage ihn, was man machen könnte. Der Vater hebt die Schultern und lässt sie sinken. Er weiß es nicht. Aber es muss doch eine Lösung geben?
Ich frage die Mutter. Sie weiß auch keinen Ausweg.
Mein Kopf denkt im Kreis und dann habe ich eine Idee. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und gehe zu dem Herden-Besitzer. Ich stelle mich vor ihn hin und frage mit zaghafter Stimme: "Herr, brauchst du nicht noch einen Hirten, deine Herde ist groß? Bei meinem Vater habe ich viel gelernt, vielleicht könnten mein Vater und ich gemeinsam mehr Tiere beaufsichtigen? Was meinst du? Ich muss Geld verdienen, wir haben immer wieder nicht genug zum Essen. Da muss sich was ändern."
So jetzt war mein ganzer Mut aufgebraucht und ich stand da, wie ein kleiner Junge.
Der Herden-Besitzer schaute mich erstaunt an: "Du willst Hirte sein? Dazu bist du mir noch zu klein, doch die Idee, dass dein Vater mehr Tiere beaufsichtigt und du ihm zur Seite stehst und weiter die Arbeit, die es zu tun gibt, genau lernst, die Idee gefällt mir. Ich werde dir auch etwas bezahlen, nein nicht so viel wie ich deinem Vater gebe, aber etwas. Ich werde das alles mit deinem Vater besprechen. So und nun gehe heim."
Ich ging wieder heim. Nun musste ich geduldig warten. Wann wohl der Herden-Besitzer mit meinem Vater sprich?
Es dauerte ein paar Tage und dann platze mein Vater bei einer kargen Mahlzeit mit der Neuigkeit heraus. Ich, Dan, werde ein offizieller Hilfs-Hirte. Mit Lohn!
Alle freuten sich. Ich mich auch. Die Mutter strahlte, jetzt konnte sie auch mal etwas Gemüse auf dem Markt kaufen. Das würde wundervoll.
An diesem Abend auf meiner Schlafmatte, da dachte ich an den zweiten Teil des Psalms, den ich sonst immer spreche.
Ich verrate ihn dir:
Gott hat mein Weinen und meine Sorgen gehört. Er hat meine Bitte verstanden. Er hilft mir. Er hat mein Gebet angenommen. Enttäuscht machen sich die Sorgen auf den Weg, weg von mir. Und wenn sie wieder kommen? Dann bringe ich sie zu Gott, da sind sie gut aufgehoben.
Das war ein ganz anderes Einschlafen, ein hoffnungsfrohes, zuversichtliches.
Ja, man muss seine Sorgen und seinen Kummer zu Gott bringen. Er kann helfen.
Das nächste Mal erzähle ich dir wieder von Dan. Er ist mit seiner kleinen Herde alleine unterwegs und wieder hilft ihm ein Psalm. Dan liebt Psalmen.
Ps 6, 7-11
2.11.2024