Dan ist alleine mit seinen Schafen unterwegs. Im Nachhinein sagt er: “Es war, wie der Psalm 121 erzählt.”

Ich bin Dan, der Hilfshirte, der seit neuestem Geld verdient. Du kennst mich ja schon.

Das ist schon was anderes, offizieller Hilfshirte zu sein, als dem Vater immer und immer wieder zu helfen. Ich hatte jetzt richtige Arbeitstage. Aufstehen mit der Sonne und am Abend müde heimzukommen. Mein Vater verlangte immer mehr Selbstständigkeit von mir. Ich sollte überlegen, wo die Herde als Nächstes hingetrieben wurde, damit sie gutes Fressen hatten. Ich sollte mich nach dem nächsten Brunnen erkundigen. Ich sollte entscheiden, wie eine Wunde am Bein eines Schafes behandelt wurde. So lernte ich viel und schnell neue Sachen kennen.

Und eines Tages war es dann so weit, der Vater sagte zu mir: "Dan, morgen gehst du mit einem Teil der Schafe da hinten über den Berg und bringst sie in das kleine Tal, das man vom Berg oben sehen kann. Da müsste es noch gutes Grünzeug für unsere Schafe geben. Du nimmst die eher kleinen und schwachen Schafe mit. Denen wird das guttun."

Ich war ganz aufgeregt. Ob ich das wirklich schon konnte, so ganz alleine auf mich gestellt mit den eher schwachen Schafen? Und andererseits freute ich mich. Mein Vater traute mir das zu. Er war sich sicher, dass ich alles wusste, was ich wissen musste, um die Schafe sicher über den Berg zu bringen und im kleinen Tal weiden zu lassen. Darüber freute ich mich sehr.

Auch die Mutter war ganz aufgeregt. Sie war mit Eifer dabei, Fladenbrot zu backen. Auch ein Stück Käse kaufte sie. Sie machte mir ein Bündel mit Essen für meinen Weg über den Berg und füllte einen Wasserschlauch für mich.

So zog ich dann am nächsten Tag los. Mein Vater und ich trennten die Herde und schon ging es los. Auch die Schafe waren aufgeregt. Wir kamen nur langsam voran, denn immer wieder entdeckten die Schafe etwas zu fressen und gingen dann nicht weiter. Es wurde Mittag, die Sonne stand hoch am Himmel und es wurde heiß. Ich wusste, ich brauchte jetzt ein schattiges Plätzchen für mich. Ich schaute mich um. Kein Baum, kein Strauch, kein Schatten. Mühsam ging ich weiter. Vorsichtig nahm ich immer wieder ein Schlückchen aus meinem Wasserschlauch. Der durfte jetzt nicht leer werden. Meine Augen suchten den Berg ab. Es muss doch irgendwo Schatten sein. Nichts zu sehen. Da fiel mir ein, wie ich vor vielen Monaten gelernt hatte, meine Sorgen zu Gott zu bringen. Ich schaute hoch in den Himmel, viel höher als mein Berg war. "Gott, hilf mir!" war mein Gedanke. Immer wieder: "Gott, hilf mir!"

Wieder ließ ich meine Augen über den Berg wandern. Und plötzlich sah ich ihn, einen kleinen Felsvorsprung. Genau richtig für mich, wenn ich mich unter den setzte, dann hatte ich Schatten. Es war nicht mehr weit, die Aussicht darauf, gleich im Schatten sitzen zu können, gab mir neue Kraft und schnell hatte ich den Platz erreicht. Wunderbar. Ich setzte mich und streckte meine Beine aus. Ich schaute über die schöne Landschaft, zählte meine Schafe durch, alle waren noch da. Und dann machte ich ausführlich Brotzeit. Das tat gut. Eine ganze Weile saß ich unter dem Felsvorsprung, dann stand die Sonne flacher und ich packte meine Sachen zusammen und rief die Schafe. Wir mussten weitergehen. Vor Einbruch der Dunkelheit wollte ich über dem Berg sein. Das war eine Herausforderung. Ob die Schafe wohl mitmachten. Auf die kam es jetzt an.

Wir stiegen und stiegen, dann hatten wir die Bergspitze erreicht und mit den letzten Sonnenstrahlen sah ich noch das Tal. Unser Ziel. Das würden wir bei Dunkelheit nicht erreichen. Also suchte ich dürres Holz und machte auf der Rückseite der Bergspitze ein Feuer. Ein Feuer war wichtig. So konnte ich mich in der Kälte der Nacht wärmen und ein Feuer macht wilden Tieren Angst, so würden sie uns hoffentlich in Ruhe lassen. Meine Schafe verstanden sofort, was los war. Dicht gedrängt legten sie sich um das Feuer. Dann ging der Mond auf. Bislang war ich selten nachts alleine draußen. Der Mond warf sein kaltes Licht über die Landschaft. Alles kam mir irgendwie fremd vor. Manchmal dachte ich, dass sich was bewegt hätte und erschrak. Und wieder fiel mir ein, was mir helfen könnte in dieser Nacht. Laut sprach ich es aus: "Gott, hilf mir!" Immer und immer wieder sagte ich den Satz: "Gott, hilf mir!" Der Satz half mir. Es gelang mir sogar, etwas zu schlafen. Das war wunderbar. Als die Sonne aufging, machte ich erst noch ein kleines Frühstück und dann gingen wir los. Das Tal war nicht mehr weit. Es war ein wunderschönes Tal. Es hatte sogar einen kleinen Bachlauf. Die Schafe waren begeistert. Jedes Schaf konnte Wasser trinken, wann es Lust hatte, und musste nicht am Brunnen bei mir anstehen. Es gab wirklich noch grünes Gras und den Schafen schmeckte es. Das war ganz deutlich zu sehen. Wir blieben drei Tage und drei Nächte im Tal, dann machten wir uns auf den Heimweg. Diesmal kam ich mit der Zeit viel besser zurecht. Ich erreichte mein Zuhause vor Sonnenuntergang.

Der Vater zählte zuerst die Schafe, alle waren sie dabei. Dann fragte er mich, wie es war. Ich erzählte ausführlich. Und dann fiel mir ein, es gibt einen Psalm, den ich aus den Gottesdiensten kenne, der genau beschreibt, wie es mir ergangen ist.

Hör ihn dir an:

Ich schaue hoch zu den Bergen. Woher kommt Hilfe für mich? Hilfe für mich, die kommt vom Herrn! Er hat Himmel und Erde gemacht. Er lässt deinen Fuß nicht straucheln. Der über dich wacht, schläft nicht. Der Herr wacht über dich. Der Herr ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite. Am Tag wird dir die Sonne nicht schaden und der Mond nicht in der Nacht. Der Herr behütet dich vor allem Bösen. Er wacht gewiss über dein Leben. Der Herr behütet dein Gehen und Kommen von heute an bis in alle Zukunft

Genauso war es. Und so wird es hoffentlich immer wieder sein. Gott ist meine Hilfe in der Not und immer an meiner Seite.

Die Mutter hatte ein schönes Abendessen vorbereitet, und mit vollem Bauch schlief ich fröhlich ein.

Das nächste Mal erzähle ich dir wieder von Dan. Er liebt ja Psalmen, wie du jetzt schon weißt. Dann geht es um das Danken.

Ps 121, 1-3 + 5-8

9.11.2024

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Dan ist glücklich und dank Gott.

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Dan weiß, Gott kann man seine Sorgen sagen.