Dan ist glücklich und dank Gott.

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen. Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Ich freue mich und bin fröhlich, Herr in dir. Halleluja! Ich freue mich und bin fröhlich, Herr in dir. Halleluja!

Seit Tagen muss ich singen. Ich muss meinem Gott danken. Nie hätte ich gedacht, dass ich so froh und fröhlich sein kann. Das alles habe ich Gott zu verdanken. Ach, da habe ich jetzt glatt vergessen, mich vorzustellen. Doch du kennst mich ja schon, ich bin Dan.

Dan, der Hilfshirte wirst du denken, doch nein, da hat sich was verändert. Ich erzähle es dir am besten der Reihe nach.

Du weißt noch, dass meine Familie manchmal nicht genug zu essen hatte und wir dann hungrig schlafen gehen mussten. Damals hat mir der Psalm 6 geholfen. Wieder und wieder habe ich meinen Kummer Gott erzählt. Und in mir wuchs der Mut, den Herdenbesitzer zu fragen, ob ich nicht ein Hilfshirte werden kann. Das wurde ich dann und habe eine Kleinigkeit Geld verdient und unserer Familie ging es besser.

Dann gab mir mein Vater immer mehr Aufgaben. Einmal durfte ich alleine mit den Schafen über den Berg zu einem kleinen Tal gehen. Das war ganz schön aufregend und der Ps 121 hat mir bei der Sonnenhitze und in der gespenstigen Mondnacht geholfen. Ich fühlte mich von Gott beschützt. Er war an meiner Seite. Und heute singe ich, weil ich so glücklich über Gott bin.

Der Herdenbesitzer hat mich zu einem ordentlichen Hirten gemacht. Ich habe meine eigene kleine Herde, auf die ich aufpassen muss. Jetzt verdiene ich auch mehr. Gut, es ist schon mehr Verantwortung und auch Arbeit. Bislang konnte ich mich ja immer mit dem Vater absprechen. Soll ich dies tun oder lassen, was schlägst du denn vor?

Jetzt stehe ich immer öfters alleine da und muss überlegen, was richtig oder falsch ist. Doch es fällt mir eigentlich ganz leicht. Ich habe in den letzten Jahren vieles gelernt. Und mir macht meine Aufgabe Freude.

Und dann ist noch etwas passiert, was mir viel Freude macht.

Du weißt ja vielleicht, dass wir unsere Schafe immer wieder am Brunnen tränken. Wir schöpfen Wasser aus dem Brunnen und gießen es dann in einen niedrigen Trog, sodass die Schafe das Wasser erreichen können. Wir gehen oft erst am Ende des Tages an den Brunnen. Am frühen Morgen und am Vormittag ist am Brunnen immer ein Gedränge von den Frauen, die Wasser brauchen zum Trinken, Kochen, Putzen und Waschen. Da wären wir nicht gerne gesehen mit unseren Tieren, die manchmal auch durcheinanderlaufen und im Weg herumstehen. Deshalb gehen wir Hirten später an den Brunnen.

Doch in den letzten Wochen und Monaten habe ich am Brunnen immer wieder eine schöne junge Frau getroffen. Sie hat etwa mein Alter. Sie gefällt mir. Manchmal hat sie mich angeschaut. Nach einiger Zeit habe ich wieder meinen Mut zusammengenommen und sie gefragt, wie sie heißt. Sie war so niedlich. Sie wurde ein bisschen rot, schaue verlegen auf den Boden und flüsterte: "Tabea." Eilig nahm sie ihren Krug und ging davon.

Tabea, der Name passte gut zu ihr. Tabea erinnert an eine Gazelle. Ein anmutiges Tier, das schnell und wendig ist. Es kann wunderbar springen. Liegt eine Gazelle im Schatten eines Busches, kann man sie kaum erkennen, denn sie ist so braun wie der Boden bei uns ist.

Tabea, so hieß sie also. Und wieder und wieder trafen wir uns am Brunnen. Ob sie wohl absichtlich immer so spät kam, dass wir uns trafen? Es schien so. Manchmal kam sie nicht. Ich merkte dann, dass ich sie vermisste.

Mit ihr ins Gespräch zu kommen, war schwierig. Sie war so schüchtern. Wenn ich mich traute, sie etwas zu fragen, dann traute sie sich nicht, mir in einem ganzen Satz zu antworten. Oft antwortete sie nur mit Ja oder Nein. Dabei hat sie so eine liebliche Stimme. Gerne würde ich ihr stundenlang zuhören.

Es kam so weit, dass ich wieder mit Psalm 6 einschlief, diesmal nicht, weil ich Hunger hatte, sondern Sehnsucht nach Tabea und ihrer Stimme.

Eines Tages bat ich meinen Vater, meine Schafe mitzuversorgen. Ich machte mich alleine auf den Weg an den Brunnen und wartete auf Tabea. Von Weitem sah ich sie schon kommen. Immer wieder drehte sie sich um und ich hatte das Gefühlt als hielt sie nach mir und meinen Schafen Ausschau. Sie war total erstaunt, als ich plötzlich vor ihr stand. Ja, richtig erschrocken war sie. Wieder musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen, um sie zu fragen, ob sie meinetwegen immer so spät an den Brunnen kam. Sie errötete und nickte. Ich freute mich. Das sagte ich ihr auch gleich. Ich erzählte ihr, wie schön ich ihren Namen finde und wie gerne ich ihre Stimme höre und dass ich gerne noch viel mehr von ihr wissen möchte. Vorsichtig sagte sie, dass auch sie mehr von mir wissen will. Ich musste eine Weile überlegen und dann hatte ich eine Idee. Abends, wenn meine Schafe sicher verwahrt sind, dann könnten wir uns doch unter dem alten Olivenbaum am Rande unseres Dorfes treffen und miteinander reden. So treffen wir uns nun schon seit Wochen. Jetzt habe ich sie gefragt, ob sie nicht meine Frau werden möchte. Und sie hat ja gesagt. Ich Glückspilz. Ganz so einfach ist das bei uns nicht, aber das bekommen wir zwei schon hin, dass wir unsere Eltern davon überzeugen, dass wir die richtigen Schwiegerkinder für sie sind.

Jetzt versteht ihr, warum ich Gott so dankbar bin. Richtiger Hirte, richtiges Gehalt, richtige Frau.

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen. Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Ich freue mich und bin fröhlich, Herr in dir. Halleluja! Ich freue mich und bin fröhlich, Herr in dir. Halleluja!

Nächste Woche begleitet Nele ihre Oma auf den Friedhof. Das Grab vom Opa muss versorgt werden. Nele macht sich so ihre Gedanken, wo denn die Toten zu Hause sind.

Ps 9, 2-3

16.11.2024

Zurück
Zurück

Wo die Toten zuhause sind.

Weiter
Weiter

Dan ist alleine mit seinen Schafen unterwegs. Im Nachhinein sagt er: “Es war, wie der Psalm 121 erzählt.”