Lucia bringt Licht ins Dunkel.

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

So beginnt heute der Religionsunterricht von Nele. Die Religionslehrerin hat die Kerze am Adventskranz angezündet und verspricht heute gleich zwei Geschichten zu erzählen. Eine aus der Bibel vom Propheten Jesaja und eine von einem Mädchen aus Sizilien. Beide sind lange her.

Sie beginnt mit dem Propheten Jesaja, die Geschichte ist die älter. Etwa 540 vor der Geburt von Jesus hat der Prophet in Jerusalem den Menschen von Gott erzählt. Das Leben damals in der Stadt war nicht einfach. Der Tempel war zerstört.

Einige Menschen waren nach der Zerstörung in Jerusalem geblieben, das war ein armes Leben. Viele Menschen sind zunächst aus Jerusalem weggegangen und kommen gerade, nach und nach, wieder in ihre Heimatstadt zurück. Nichts war mehr so wie früher. Kein Tempel mehr da. Wo sollten sie Gottesdienst feiern? Sie hatten es sich so schön ausgemalt, wieder zu Hause zu sein. Doch nun war alles grau und kalt; dunkel halt.

Doch der Prophet macht ihnen allen Mut, sich hoffnungsfroh auf die Lage einzulassen. Sich mit Ideen und Eifer daranzumachen, dass Jerusalem wieder leuchtet. Und sie untereinander sich ein helles Licht sind und nicht in Angst und Leid zu versinken.

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Da mussten sie gleich nochmals das Lied singen von dem Licht, das stärker ist als die Dunkelheit.

Und jetzt zur zweiten Geschichte. ca. 840 Jahre später lebt ein Mädchen auf Sizilien; das ist eine Insel im Süden von Italien. Das Mädchen heißt Lucia.

Die Eltern von ihr sind reich und sie sammeln in einer großen Holztruhe wertvolle Sachen, die Lucia, dann, wenn sie heiratet, mit in ihr neues Zuhause nehmen kann.

Und die Eltern von Lucia sind Christen und erzählen ihrer Tochter viel von Gott und Jesus. Das beeindruckte Lucia sehr.

Als sie älter wurde, merkte sie, dass sie kein Interesse an den Dingen in der Truhe hatte, die für sie ja bestimmt waren. Sie hatte ein ganz anderes Interesse. Sie wollte sich an Jesus ein Vorbild nehmen. Sie wollte sich um die Armen und Bedürftigen kümmern.

Lucia wurde langsam erwachsen. Sie verkaufte die Gegenstände aus der Truhe und verzichtete auf schöne Kleider, sie wollte einfach gekleidet sein. Einzig einen schönen roten Gürtel, den hatte ihre Mutter für sie gemacht, behielt sie und trug ihn immer.

Da hörte Lucia, dass es viele Christen gab, die sich in Höhlen außerhalb der Stadt versteckten, denn alle Menschen der damaligen Zeit sollten in Sizilien an die römischen Götter glauben und nicht an Gott. Die Menschen, die in den Höhlen lebten, hatten nur wenige Sachen dorthin mitnehmen können. Nicht alle hatten genügend warme Kleidung für den jetzt anbrechenden Winter dabei. In den Höhlen war es kalt, dunkel und feucht.

Da träumte Lucia, dass Gott ihr sagte, sie solle zu diesen Menschen in den Höhlen gehen. Sie solle ihnen das Licht bringen.

Lucia begann, zu planen. Sie brauchte Decken, Obst, Brot, frisches Wasser. Sorgfältig packte sie die Dinge zusammen. Kerzen legte sie dazu. In den Höhlen war Licht sicherlich eine gute Sache. Und dann startete sie, bzw. wollte sie starten. Doch sie hatte zu wenig Arme für die Körbe mit den Dingen und eine Kerze brauchte sie ja auch noch, um den Weg zu finden. Sie hatte eine gute Idee. Sie suchte Zweige im Garten und band sich einen Kranz daraus. In den Kranz steckte sie Kerzen und setzte ihn sich auf den Kopf. Nun packte sie ihre Körbe und machte sich auf den Weg zu den Höhlen.

Das helle Licht auf Lucias Kopf leuchtete weit und manche Menschen in den Höhlen bemerkten den Schein. Lucia kam geradewegs auf eine Höhle zu. Dichtgedrängt saßen die Menschen beieinander, so wärmten sie sich gegenseitig. Lucia stellte ihre Körbe ab. Die Menschen staunten. So gute Sachen zum Essen und warme Decken. Schnell war alles aufgeteilt. Die Freude war groß.

Lucia erkannte, dass sie wiederkommen müsste. So vergingen viele Tage und Wochen. Lucia kam immer wieder. Immer mit dem Lichterkranz auf dem Kopf. Immer mit Essenssachen und immer wieder mit Decken. Die Menschen in den Höhlen wurden zuversichtlicher. Es war nicht mehr so furchtbar dunkel in ihren Herzen. Wenn sie an Lucia dachten, sahen sie das strahlende Licht vor ihrem inneren Auge. Da war es in der Höhle gleich nicht mehr so finster. Die Menschen freuten sich und sagten zu ihr: "Du bist unsere Lichter-Königin. Du bringst Gottes Licht in die Welt!" Lucia machte genau das, was der Prophet in Jerusalem erzählt hatte.

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Die Kinder singen eifrig mit.

Die Religionslehrerin macht ein ernstes Gesicht. Dass Lucias Besuche in den Höhlen nicht unbemerkt geblieben sind, ist klar. Man konnte ja ihren hellen Schein weit sehen. Die Menschen, die Christen verfolgten, verfolgen auch Lucia. Sie musste sterben. In einer der Höhlen wurde sie begraben, nahe bei den Menschen, denen sie das Licht gebracht hat.

An Lucia wird am 13. Dezember besonders gedacht. In Schweden ist es so, dass sich die Mädchen auch einen Lichterkranz auf den Kopf setzen und das Frühstück für ihre Familien vorbereiten und dann an die Betten bringen. Ein schöner Brauch, was meint ihr Kinder? Vielleicht habt ihr ja Lust, am Wochenende mal euere Familie mit einem Licht-Frühstück zu überraschen. Bitte bastelt keine wackeligen Kränze mit Kerzen für eueren Kopf. Ein gedeckter Tisch mit vielen Kerzen ist auch eine sehr schöne Überraschung. Also Wecker stellen und früh aufgestanden. So bringt ihr das Licht in die dunkle Jahreszeit.

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Das war das Abschlusslied für diese Religionsstunde.

Schnatternd gingen die Kinder aus dem Klassenzimmer. Nele und ihre Freundin Inge schmiedeten Pläne, wie sie ihre Familien mit einem Licht-Frühstück am Wochenende überraschen könnten.

Nächste Woche geht es weiter um das Licht im Dunkeln. Ein besonderer Stern der Herrnhuter Brüdergemeinde steht im Mittelpunkt. Und die drei Weisen aus dem Morgenland kommen auch vor.

Jes 60,1-3

Legende von der Heiligen Lucia

Lied: Text: Rolf Kreuzer, Musik: Ludger Edelkötter

7.12.2024

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Ein Stern leuchtet. Er ist aus Herrnhut

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Das Licht am Adventskranz