Ein Stern leuchtet. Er ist aus Herrnhut
Heute sind wir wieder bei Nele im Religionsunterricht.
Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.
Wie schon die letzten Stunden beginnt der Religionsunterricht von Nele wieder mit dem vertrauten Lied.
Die Religionslehrerin erklärt, dass es heute um einen Stern geht.
Da fliegen die Kinderhände nur so in die Luft. Stern, jetzt so kurz vor Weihnachten, da hatten sie alle eine Idee. Eifrig beteiligten sie sich an dem Gespräch:
"Stern von Bethlehem", sagte einer. "Die Weisen aus dem Morgenland", eine andere. "Ein weiter Weg." "Beim König in Jerusalem vorbei." "Beim fiesen Herodes vorbei"; ereiferte sich ein Kind. "Und dann doch das Jesuskind gefunden."
Die Religionslehrerin ist zufrieden mit ihrer Gruppe. "Ihr wisst ja noch viel von dieser Geschichte. Ja, es machten sich Sterndeuter auf den Weg bis nach Jerusalem, denn sie hatten einen Stern gesehen und folgten ihm. Sie verstanden den Stern so, dass ein neuer König der Juden geboren sei. Deshalb fragten sie am Königshof in Jerusalem beim König Herodes nach, wo sie denn den neugeborenen König finden könnten. Herodes erschrak. Er wusste nicht von einem neugeborenen König. So befragte er seine Schriftgelehrten. Die hatten den Tipp: in Bethlehem. Bevor die Sterndeuter dahin gingen, bat der König Herodes - heimlich - die drei Männer, ihm doch Bescheid zugeben, wenn sie den neuen König gefunden hätten. Er wolle dann auch dahin gehen und das Kind verehren. Und ja, ihr habt recht, das war eine fiese Lüge von ihm. Er wollte das Kind umbringen, denn Herodes wollte König bleiben.
Doch es geht heute nur am Rande unseres Religionsunterrichts um den Stern vor vielen, vielen Jahren in Bethlehem. Es geht um einen besonderen Stern. Jetzt sieht man ihn an vielen Orten immer wieder."
Die Religionslehrerin machte ihr Körbchen auf und brachte Sternspitzen - dreidimensional - zum Vorschein. Manche Spitzen hatten drei Ecken, manche vier Ecken. Also sie waren unten, da wo sie dicker waren, ein Dreieck oder ein Viereck. Oben waren sie schlank und hatten eine schöne Spitze. Die Religionslehrerin stellte die Sternspitzen auf den Tisch. Immer die Spitze schön nach oben. Dann ließ sie die Kinder zählen. 17 Sternspitzen begannen viereckig, 8 dreieckig.
"So, das wird jetzt unser besonderer Stern!", sagte die Religionslehrerin. Es wird ein Herrnhuter Stern. Sie nahm eine Sternspitze, die unten viereckig war und hielt eine zweite, die viereckig war daneben. Ein Kind durfte eine Musterklammer, das ist ein Teil aus Blech, mit dem man manchmal auch Briefumschläge veschließt, durch die beiden Löcher der Umrandung der Vierecke stecken und befestigen. Jetzt hatte die erste Viereckspitze an der rechten Seite eine weitere Spitze. Die nächste Viereckspitze kam auf die linke Seite der ersten Spitze. Wieder eine Musterklammer zum Befestigen. Und weiter ging es mit weiteren zwei Viereckspitzen. Die kamen an die beiden freien Seiten der ersten Viereckspitze. Die Lehrerin hielt die fünf Spitzen so zusammen, dass schon ein Sternenbauch zu erkennen war.
"Wie geht es jetzt wohl weiter? Fünf Viereckspitzen haben wir schon verbraucht. 12 haben wir noch, und 8 Dreieckspitzen sind noch da."
Ein Kind hatte eine gute Idee: "Die Dreieckspitzen helfen, die Viereckspitzen miteinander zu verbinden." Sie probieren es gleich mal aus. Ja, so ging es. Doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis aus den einzelnen Spitzen ein ganzer Stern entstanden war. Und ohne die Religionslehrerin, die sich damit auskannte, wäre es nichts geworden. Nun war der Stern komplett. Doch eine Spitze fehlte - oder doch nicht? Die Religionslehrerin steckte an die freie Stelle eine Glühbirne in den Bauch des Sterns und befestigte sie darin. Jetzt gab es ein Kabel zum Aufhängen des Sternes und einen Stecker für die Steckdose. Und schon leuchtete der Stern.
Die Kinder freuten sich. Der Stern sah sehr schön und edel aus. Und sie wussten ja jetzt auch, was da für eine Arbeit war, den Stern zusammenzustecken. Die Lehrerin erzählte, dass früher diese Arbeit immer ihr Vater übernommen hatte und manchmal dauerte es bei ihm ganz schön lange, bis der Stern fertig war. Dann wurde er immer draußen vor der Haustür gehängt und beleuchtet, erzählte sie.
Gemeinsam sangen sie ihr Lied. Und heute probierten sie es das erste Mal im Kanon, das war schwer.
Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.
Dann rief die Religionslehrerin die Kinder in den Sitzkreis, denn sie wollte ihnen erzählen, wie es zu diesem besonderen Stern gekommen war. Sie fing an: "Der Herrnhuter Stern kommt aus Herrnhut, das ist ein kleiner Ort in Ostdeutschland in der Nähe von Bautzen. Da haben sich so um 1720 viele besondere Christen zusammengefunden; die Herrnhuter Brüdergemeinde. Sie wollten den Menschen weltweit von Gott und Jesus Christus erzählen. Sie gingen in die Karibik, nach Grönland, nach West-Indien und Südafrika. Da blieben sie lange. Wenn sie Kinder hatten, dann schickten sie sie mit 6 Jahren zurück nach Herrnhut, denn sie sollten in eine deutsche Schule gehen. Das war für die Kinder schwer. Oft sahen sie viele Jahre ihre Eltern nicht. Sie konnten sich gegenseitig Briefe schreiben. Doch bis so ein Brief von hier nach dort kam, dauerte es lange. In der dunklen Jahreszeit im Dezember war bei den Kindern das Heimweh nach ihren Eltern immer besonders stark. Da kam jemandem die Idee, Sterne zu bauen, die von innen zu beleuchten waren. 1820 wurde ein Stern mit 110 Spitzen gebaut, der von einer großen Lampe erhellt wurde. Das hatte die Kinder beeindruckt. Da passt unser Lied noch mal."
Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.
"Später wurden dann die Sterne mit den 25 Spitzen die 'normalen Sterne'. Die Brüdergemeinde begann, die Sterne weltweit zu verkaufen. Zuerst bekamen natürlich die weltweit verstreuten Eltern der Kinder, die in Herrnhut zur Schule gingen, solche Sterne geschickt. Andere Menschen und Kirchengemeinden konnten sie dann auch kaufen. Heute findest du in vielen Kirchen, auf Kirchtürmen und sogar im Bundeskanzleramt solche Sterne aus Herrnhut. Sie gibt es jetzt auch in vielen Farben."
Die Kinder hatten aufmerksam zugehört. Nele war im Gedanken bei den Schulkindern in Herrnhut, die damals ohne ihre Eltern alleine in Deutschland waren. War sie froh, dass sie zu Hause leben konnte und fast täglich ihre Eltern sehen, hören und spüren konnte. Doch der Stern gefiel ihr sehr gut. Sie kannte ihn schon aus der Kirche. Letztes Jahr beim Krippenspiel am Heiligen Abend hing er über ihnen und beleuchtete den Altarraum.
Nächste Woche geht es weiter um das Licht; um das Licht am Weihnachtsbaum
Mt 2,1-9
Geschichte über den Herrnhuter Stern
Lied: Text: Rolf Kreuzer, Musik: Ludger Edelkötter
14.12.2024