Hirtenfeld und Weihnachtsbaum

Wie schon die letzten Male sind wir heute wieder Mäuschen im Religionsunterricht von Nele.

Heute ist vieles anders. Sie sind nicht im üblichen Klassenzimmer, sondern im viel größeren Musikraum, denn heute sind die evangelischen und die katholischen Kinder zusammen. Und es sind auch beide Religionslehrerinnen da. Beide sind dicke bepackt. Die katholische Lehrerin hat einen großen Korb dabei, über den sie ein grünes Tuch gelegt hat. Und die evangelische Lehrerin hat eine große Schachtel dabei. Die Kinder sind aufgeregt und eifrig am Schwätzen. Was wird das wohl heute?

Spannend!

Doch dann sorgen die Lehrerinnen für Ruhe, organisieren noch ein wenig die Sitzordnung, es ist ein großer Halbkreis; und dann geht es los.

Und sieh da, alle, auch die katholischen Kinder, können mitsingen:

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Mit so vielen Kindern macht das richtig Spaß. Und dann versuchen sie, im Kanon zu singen. Es klappt tatsächlich. Mit der ersten Stimme singt die eine Lehrerin mit und mit der zweiten Stimme, dann die andere.

Dann breitet die katholische Lehrerin ihre grüne Decke, die über dem Korb gelegen hat, am Fußboden aus. Dann geht sie mit ihrem Korb von Kind zu Kind und jeder darf sich was aus dem Korb nehmen. Es sind viele Holzfiguren und Schnipsel aus rotem und gelbem Transparentpapier und Holzstückchen und einige kleine Stoffe, winzige Krüge gibt es auch. Jeder nimmt sich was. Dann ruft die Lehrerin die Kinder mit den Transparentpapier-schnipseln und den Holzstückchen an die grüne Decke. Ihre Aufgabe ist es, ein Lagerfeuer zu bauen. Die Lehrerin hat ein elektrisches Teelicht mit Batterie dabei und darum herum soll das Lagerfeuer gebaut werden. Das Licht scheint durch das Transparentpapier und mit etwas Phantasie ist das wirklich ein Lagerfeuer. Als Nächstes sind die Kinder dran, die ein Schaf ausgesucht haben. Sie stellen eine kleine Schafherde zusammen, auf der einen Seite des Feuers. Dann kommen die Menschenfiguren an die Reihe auf der anderen Seite des Feuers. Männer und Frauen und Kinder. Manche sitzen, manche liegen, manche stehen, auf einen Hirtenstock gestützt. Einige Kinder haben jetzt noch kleine Krüge und kleine Stoffteile. Die dürfen sie nun zu den Menschen legen. Ein Stoff um die Schulter zum Wärmen, ein Stoff zusammengelegt unter einen Kopf. Ein Krug bei einer Frau und ein anderer Krug bei einem Kind.

Schön schaut es aus, was sie da gemeinsam gestaltet haben.

Und die Geschichte dazu ist wohl allen Kindern vertraut. Das sind die Hirten bei Bethlehem, draußen auf den Feldern, die in der Nacht Wache bei ihrer Schafherde halten. Und wie es weitergeht, wissen sie auch alle. Da kommt der Engel des Herrn zu ihnen, umstrahlt von der Herrlichkeit Gottes. Und die Hirten erschraken sehr. Doch der Engel sagte: "Fürchtet euch nicht! Ich habe eine gute Nachricht für euch, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird. Heute ist in der Stadt Davids - das ist Bethlehem - euer Retter geboren. Er ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen. Er ist ein neugeborenes Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt." 

Als der Engel fertig geredet hatte, da waren bei ihm ein ganzes Heer von Engeln, die lobten Gott und riefen ihnen zu: "Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Sein Friede kommt auf die Erde zu denen Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!"

Nach soviel Aktion und Geschichte passte jetzt das Lied wieder:

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Nun, zum zweiten Teil der Religionsstunde, packt die evangelische Religionslehrerin ihre Kiste aus. Auch sie hat einen grünen Stoff dabei, den sie auf den Boden zu dem Hirtenfeld legt. Auch sie geht mit der Kiste durch den Kinderkreis und jedes Kind kann sich etwas nehmen. Einen Stern, eine Kerze mit Halter, eine Glaskugel, eine Girlande. Als sie fertig ist, sagte sie: "Jetzt fehlt uns noch was Wichtiges, gell?" Da fliegen die Kinderhände nur so in die Höhe und die übereifrigen platzen heraus: "Ein Tannenbaum!"

Und man kann es kaum glauben, da gehen die beiden Religionslehrerinnen kurz hinaus und kommen mit einem Tannenbaum zurück. Er ist schon in einem Christbaumständer eingespannt und wird auf das leer grüne Tuch gestellt. Jetzt wird er gemeinsam geschmückt. Zuerst die Kerzen, der größte Stern an die Baumspitze und dann all die anderen schönen Schmuckstücke.

Als alle wieder auf ihren Plätzen sitzen erzählte die evangelische Religionslehrerin, dass sie zwei Dinge, die in vielen Familien Weihnachten wichtig sind, aufgebaut haben. Ein Teil der Krippe und den Weihnachtsbaum. Die katholische Religionslehrerin erzählt, dass es früher, also schon vor vielen Jahrhunderten in den katholischen Familien üblich war eine kleine Krippe zu haben. Und, ergänzte die evangelische Religionslehrerin, seit 300 oder 400 Jahren gibt es den Christbaum, der zunächst sein Zuhause in den evangelischen Familien hatte. Manche sagen, Martin Luther hätte ihn erfunden, aber es gab ihn wohl schon vorher.

Nun sollen die Kinder überlegen, warum der Christbaum zu dem Hirtenfeld passt. Da kommen sie gleich drauf: "Er leuchtet, wie der Engel geleuchtet hat." "Die vielen Lichter am Christbaum erinnern an die Engelheerschar, die zu den Hirten gekommen ist und vom Frieden erzählt hat."

Die Religionslehrerinnen nickten. Genauso ist es.

In der nächsten Stunde bauen wir auf, was noch fehlt. Wir dürfen sie Sachen ausnahmsweise mal hier stehen lassen.

Lasst uns zum Abschluss nochmals das Lied singen, natürlich probieren wir nochmals den Kanon.

Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.

Als Nele an diesem Tag nachhause kam, musste sie gleich vom evangelischen Weihnachtsbaum und der katholischen Krippe erzählen. Die Mutter hörte aufmerksam zu, das wusste sie auch noch nicht.

Was nächste Woche erzählt wird, ist klar: der Rest von der Weihnachtsgeschichte. Und vom Friedenslicht aus Bethlehem.

 Lk 2, 8-14

Geschichte zum Weihnachtsbaum

Lied: Text: Rolf Kreuzer, Musik: Ludger Edelkötter

21.12.2024

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Krippe und Friedenslicht

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Ein Stern leuchtet. Er ist aus Herrnhut