Krippe und Friedenslicht
Heute ist es nicht mehr so aufregend, wie in der letzten Religionsstunde, als die Religionsgruppe von Nele und die katholische Religionsgruppe zusammen in den Musiksaal gegangen sind.
Heute finden sie sich alle schnell im Stuhlhalbkreis ein und bewundern das Hirtenfeld, das sie in der letzten Stunde aufgebaut haben und den von ihnen geschmückten Christbaum. Alles steht noch ordentlich da.
Die Religionslehrerin von Nele hat einen großen Korb dabei. Der ist wieder mit einer grünen Decke abgedeckt. Die katholische Religionslehrerin hat nichts besonderes dabei.
Und schon beginnt der Unterricht mit dem vertrauten Lied:
Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit.
Gemeinsam wiederholen die Kinder die Geschichte des Hirtenfeldes, von den Hirten und Schafen und warum der Christbaum danebensteht. Sie haben alles noch gut in ihrem Gedächtnis.
Jetzt sind sie gespannt und neugierig, was wohl in dem Korb von der Religionslehrerin ist.
Die Religionslehrerin fängt an zu erzählen: "Als die Engel wieder weg waren. Und bei den Hirten alles wieder ganz normal war. Also kein himmlisches Licht, keine Ansprache der Engel, kein Gesang der Engel. Alles ganz normal. Ein Feuer und Dunkelheit. Da überlegten die Hirten, was sie nun tun werden. Und sie entschieden sich, hinzugehen. Sie wollten in Bethlehem nachsehen, ob das alles so ist, wie der Engel gesagt hatte."
Die Religionslehrerin legte die grüne Decke mit etwa Abstand zu dem Hirtenfeld.
Dann packte sie aus dem Korb einen offenen Stall aus. Danach ging sie mit ihrem Korb durch die Reihe und jedes Kind konnte sich etwas nehmen. Ein kleines Bündel Stroh, eine Krippe, ein Ochs und ein Esel, Maria und Josef, ein Jesuskind, verschiedene Gerätschaften aus dem Stall, das Reisegepäck von Maria und Josef. An alles war gedacht. Die Kinder bauten eifrig und umsichtig ihre Gegenstände auf; im und um den Stall. Es war sehr schön anzuschauen.
Die Religionslehrerin erzählte weiter: "Und die Hirten liefen schnell nach Bethlehem."
Die Kinder meldeten sich: "Wir müssen die Hirten zum Stall tragen!"
Genau das machten sie dann gemeinsam. Auch ein paar Schafe kamen mit, und die Krüge und die Stoffteile.
Die Religionslehrerin erzählte weiter: "und sie fanden alles so, wie es der Engel gesagt hatte. Maria und Joseph, die Futterkrippe und ein neugeborenes Kind darin."
Gemeinsam singen sie ein altes Weihnachtskinderlied. Fast alle können mitsingen.
1.Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all'!
Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall.
Und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.
3.Da liegt es – das Kindlein – auf Heu und auf Stroh;
Maria und Josef betrachten es froh;
die redlichen Hirten knie'n betend davor,
hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.
Die katholische Religionslehrerin ist während dessen aus dem Musiksaal gegangen und hat etwas geholt. Eine große Hirtenlaterne. Auch sie hat wieder ein grünes Tuch dabei. Sie breitet es neben dem Stall aus und stellt die Laterne mit seiner brennenden Kerze darauf.
Sie fängt an zu erzählen: "Ich habe euch ein ganz besonderes Licht mitgebracht. Es ist das Friedenslicht von Bethlehem. Alle Jahre wieder am 3. Advent kommt das Friedenslicht zu uns nach Deutschland. Es gibt Gottesdienste, bei denen man sich das Friedenslicht abholen kann, oder auch Orte, an denen es steht und man sich seine eigene Kerze daran entzünden darf.
Das Friedenslicht aus Bethlehem gibt es seit 31 Jahren in Deutschland. Die Pfadfinder kümmern sich darum, dass das Friedenslicht in vielen, vielen Kirchen in Deutschland verteilt wird.
Normalerweise wird bei einem Gottesdienst in Bethlehem in der Geburtskirche eine Kerze von einem Kind angezündet. Dann werden andere Kerzen daran angezündet. Eine Kerze kommt eine in eine explosionssichere Lampe und wird mit dem Flugzeug nach Österreich geflogen. Von dort wird es dann von deutschen Pfadfindern mit dem Zug nach Deutschland gebracht, zu uns. Dieses Jahr ist es leider anders. Wegen des Krieges in Israel und außen herum ist es dieses Jahr zu gefährlich nach Bethlehem in die Geburtskirche zu kommen. Doch wir haben Glück, Steyr, das ist in Österreich die Partnerstadt von Bethlehem, die hatten in der Wallfahrtskirche Christkindel das ganze Jahr - ohne Unterbrechung - das Friedenslicht aus Bethlehem vom Advent 2023 brennen lassen. Dieses Friedenslicht wurde dieses Jahr an die Pfadfinder vieler Länder, auch von Deutschland, weitergegeben. So haben wir ein Friedenslicht aus Bethlehem, obwohl es da im Moment gar nicht friedlich ist."
Die katholische Religionslehrerin ist mit ihrer langen Rede fertig.
Die evangelische Religionslehrerin will von den Kindern wissen, warum die Laterne mit dem Friedenslicht so nah an der Krippe steht. Sie sollten mal über das "Licht-Lied" nachdenken und die erste Religionsstunde im Advent.
Nele fällt es sofort ein. "Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht. Es wird hell scheinen über denen, die im Düsteren wohnen."
"Genau so hat es der Prophet Jesaja gesagt", nickt die Religionslehrerin. "Wir heute glauben, dass das große Licht, das in der Finsternis scheint, Jesus ist, das Kind in der Krippe. Dieser Jesus, der als erwachsener Mann den Menschen viel von Gott erzählt, sie tröstet und gesund macht, und der am Schluss am Kreuz stirbt und doch wieder aufersteht. Denn Gott beweist mit ihm, er ist stärker als der Tod."
Gemeinsam singen sie das Lied der letzten Wochen im Kanon. Es klappt gut.
Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, sein Schein dringt zu uns in unsre Zeit, bezwingt Angst und Leid und befreit. Am Ende der Stunde kann jedes Kind ein Teelicht und ein leeres Marmeladenglas bekommen und so das Friedenslicht aus Bethlehem mit nach Hause tragen.
Klar, dass Nele das versuchen will. Das ist nicht einfach. So ein Teelicht schwappt schon gerne mal die kleine Flamme aus. Und trotz Marmeladenglas muss man auf den Wind aufpassen.
Nele gelingt es und die Mama hat ein größeres Einmachglas und eine größere Kerze, und das Friedenslicht aus Bethlehem bekommt einen guten Platz im Wohnzimmer.
Nächste Woche erzähle ich euch vom alten Simeon, der im Tempel in Jerusalem das Jesus-Baby trifft. Und ich erzähle euch von Taufkerzen. Vielleicht hast du sogar eine?
Lk 2, 15-16
Die Geschichte vom Friedenslicht aus Bethlehem
Lieder:
Ihr Kinderlein, kommet: Text: Pfr. Christoph Schmidt, Musik: Friedrich Herrmann Eickhoff
Ein Licht leuchtet auf: Text: Rolf Kreuzer, Musik: Ludger Edelkötter
21.12.2024