Jesus stillt den Sturm. Petrus und Andreas erzählen die Geschichte und eine Frau denkt dazu nach.
Ich stelle mich mal kurz vor, ich bin eine junge Frau und wohne am See Genezareth. Mein Mann ist ein Fischer. Er fährt meistens nachts zum Fischen raus. Früh am Morgen kommt er wieder, mit hoffentlich vielen Fischen im Netz. Die können wir dann verkaufen, selber essen oder in Salz einlegen und bis in die Stadt des Kaisers, nach Rom verschicken. Früher war mein Mann ein Team mit Petrus und Andreas. Doch die hatten sich entschieden, Menschenfischer zu werden und mit Jesus mitzugehen. Jetzt muss mein Mann schauen, wie wir alleine klarkommen. Doch das geht schon. Ich bin für den Haushalt und die Kinder zuständig.
Es sind besondere Tage, wenn Petrus und Andreas am See Genezareth sind. Oft sind sie dann in einer großen Schar der Freunde und Freundinnen Jesus da, manchmal aber auch alleine bei einem Kurzbesuch ihrer Familien.
Wenn sie da sind, gibt es immer viel zu erzählen. Ich bin schon immer ganz gespannt, welche Geschichten sie mitbringen. Und neulich hatten sie eine See -Genezareth - Fischer - Geschichte dabei.
Sie erzählten:
"Jesus will mit seiner Freundesschar ans andere Ufer des Sees fahren. Das ist eine gute Sache, denn unter uns sind ja viele Fischer. Das können wir. Ein Boot konnten wir uns schnell leihen und dann ging es auch schon los. Bootfahren ist einfach eine schöne Sache. Man gleitet auf dem Wasser dahin, die Welt zieht an einem vorbei. So war es zunächst auch. Wir legten von Land ab und ließen das Boot über den See fahren. Jesus war müde und schlief ein. Und dann kam er, der Sturm. Das passiert am See Genezareth immer wieder. Wir Fischer sind das gewohnt. Wir kennen uns eigentlich aus. Doch es war ein heftiger Sturm. Der See war wie aufgewühlt. Der Wind peitschte um das Schiff. Die Wellen schlugen über den Bootsrand. Auf einmal waren wir in großer Gefahr. Wir taten, was sie tun konnten, doch nichts half wirklich. Die Angst kroch in uns hoch, sie erfasste ihre Herzen. Uns war angst und bange und elend. Da nahmen einige ihren letzten Mut zusammen und weckten Jesus auf, der all das nicht mitbekommen hat. Verzweifelt riefen sie: "Meister, wir gehen unter. Hilf uns doch!"
Als Petrus und Andreas das erzählten sah man ihnen an, dass es wirklich ein sehr schlimmer Sturm war und sie dachten, in Kürze würde ihr Boot untergehen und sie mit ihm.
Dann erzählten sie weiter:
"Und was tat Jesus? Er stand auf und drohte dem Wind und den Wellen. 'Sei still!' Und da wurde es ganz still. So plötzlich wie der Sturm gekommen war, so plötzlich war er still. Und dann wurde es noch stiller, denn Jesus fragte uns: "Wo ist euer Glaube geblieben?"
Als Petrus das erzählte, da sah er immer noch etwas betroffen drein.
Er erzählte uns noch von seinen Gedanken danach, zu dieser Geschichte:
"Ja, wo war unser Glaube geblieben? Eine gute Frage. Doch kann man in so einem bedrohlichen Sturm an die Sicherheit glauben? Und dann war da noch die Frage: Wer ist dieser Jesus eigentlich, der dem Sturm sagt: 'Sei still!', und der Sturm gehorcht ihm?
Mit diesen Fragen waren wir alle beschäftigt, als wir sicher am anderen Ufer ankamen."
Nach der Geschichte waren es auch meine Fragen:
"Wer ist dieser Jesus? Welche Macht hat er? Und kann ich ihm vertrauen, in meiner Angst?"
Mir ging die Geschichte mit dem Sturm auf dem See nicht aus dem Kopf. Manchmal hatte ich solche Stürme auch erlebt - vor allem in meinem Kopf. Stürme der Sorge. Langt das Essen, fängt mein Mann genug Fische, wird das Kind wieder gesund?
Das ging mir als Kind schon so, dass sich die Angst in meinem Kopf festfraß. Meine Mutter hatte das bald herausbekommen und hatte sich überlegt, wie sie mir helfen könnte, dass die Angst wieder kleiner wurde.
Sie fing in diesen Momenten an, mir Zeilen aus dem Psalm 18 vorzusagen. Manchmal sang sie sie auch. Der Psalm 18 war wohl ihr Lieblingspsalm für alle Lebenslagen. Er hat über 50 Verse, da ist wirklich für jede Situation etwas dabei. Über die vielen Jahre zu Hause mit meiner Mutter lernte ich viele dieser Verse auswendig. Nun begann ich, in meinem Kopf zu kramen. Gibt es auch Verse im Psalm 18, die zu der Sturmgeschichte passten.
Ich musste nicht lange nachdenken. Da fielen sie mir ein:
Schrecken und Angst schlossen mich ein, als sänke ich in große Wasser. In meiner Not rief ich zu dir, da hörtest du mein Rufen. Du sahst meine Angst aus der Höhe und zogst mich aus der Flut.
Der Psalmist beschreibt genau das, was Petrus und Andreas auf dem Boot erlebt haben. Jesus macht das, was von Gott gesagt ist. Er hört das Rufen und rettet.
Eigentlich hätten sie schon viel eher rufen sollen, oder?
Eigentlich sollte ich viel öfters über den Psalm 18 nachdenken und die Stürme in meinem Kopf gar nicht erst groß werden lassen. Gott hört unser Rufen in der Not. In unserer Angst sind wir nicht alleine. Wir können vertrauen.
Eine tolle Geschichte, die mit dem Sturm auf dem See der tobt und Angst macht, furchtbare Angst. Und dann sagt Jesus: "Sei still!" Und er ist still.
So, nun habe ich genug über die Geschichte nachgedacht und werde mal wieder was für meinen Haushalt machen. Das Wetter ist gut, ein leichter Wind weht. Ich werde die schmutzigen Sachen der Kinder schnell im See waschen, die werden noch trocken.
Nächste Woche hört die junge Frau eine andere, wunderbare Geschichte, von Jesus und denkt darüber nach.
Lk 8, 22-25 + Ps 18 5-7
18.1. 2025