Jesus heilt einen Menschen. Er vertreibt seine wilden Gedanken im Kopf.

Du kennst mich schon. Ich bin die Frau des Fischers. Wir sind mit Andreas und Petrus befreundet. Früher sind mein Mann und die beiden zusammen zum Fischen am See Genezareth unterwegs gewesen. Doch nun sind Andreas und Petrus mit Jesus unterwegs. Und wenn sie dann mal heimkommen, dann haben die Geschichten zu erzählen. Einfach erstaunlich!

Heute haben sie eine Geschichte von einer Heilung erzählt. Von einem wilden Mann, von Schweinen, die ins Wasser stürzen, eine wirklich wilde Geschichte. Ich erzähle sie euch mal der Reihe nach.

Also Jesus und seine Freunde und Freundinnen waren unterwegs in einer wilden Gegend. Viele Höhlen sind da, in diesen Höhlen beerdigen die Menschen aus der nahen Stadt ihre Toten. Und mitten in dieser wilden Gegend lebte ein Mann ganz alleine. Ein wilder Mann. Angezogen war er nicht ordentlich, eher fast nackt, die paar Lumpen, die er um sich gewickelt hatte, konnte man nicht als Kleidung bezeichnen. Er lebte in den Höhlen. Mal hier, mal da. Er benahm sich mehr wie ein Tier als ein Mensch. Oft ging er auf allen vieren. Er schrie, fletschte die Zähne, packte was mit seinen Händen und warf es weit weg. Unheimlich war das. Die Freundinnen und Freunde Jesus wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Der Wilde machte ihnen Angst. Jesus machte er keine Angst. Er ging langsam auf ihn zu. Er zeigte ihm seine leeren Hände. Jesus zeigte ihm so: "Vor mir brauchst du keine Angst zu haben, ich tue dir nichts." Und was macht der Wilde? Er fing an zu toben: "Komm bloß nicht näher", schrie er Jesus an. "Geh, weg! Du siehst doch, wie es um mich steht. Du, der Gottessohn." Jesus ging weiter. Immer näher an den Mann ran. Furchtlos legte er ihm seine Hand auf die Schulter. "Ja, ich sehe, wie es um dich steht!", sagte er. "Es ist ein schweres Leben, dass du ertragen musst. So viele wilden Gedanken wohnen in dir. Sie machen dir das Leben zu Hölle. Mal musst du schreien; mal musst du deine ganze Kraft zeigen; mal musst du dich in einer Höhle verkriechen und mal musst du ein wildes Tier sein. Ein anstrengendes Leben ist das. Du bist ganz alleine. Die anderen Menschen habe Angst vor dir. Die wollen mit dir nichts zu tun haben. Und du verkriechst dich hier sicherheitshalber in den Höhlen. Das alles soll ein Ende haben."

Während Jesus so mit dem Wilden spricht, wird der immer wilder. Den Freunden und Freundinnen von Jesus wurde das Ganze immer unheimlicher. Jesus konnte seine Hand nicht mehr auf der Schulter des Mannes halten. Da erhob Jesus seine Stimme, über das Gebrüll des Wilden und sagte: "Ihr Gedanken lasst den Mann frei. Lasst ihn in Ruhe. Geht weg. Gebt ihn frei!"

Der Wilde wurde ruhig. Ganz ruhig.

Die Freundinnen und Freunde Jesu und Jesus blieben bei dem Mann. Sie halfen ihm, sich zu waschen. Sie fanden auch ordentliche Kleidung in einer Höhle. Die gaben sie ihm zum Anziehen.

Es dauerte nicht lange und aus dem Ort in der Nähe kamen Menschen. Sie hatten von Schweinehirten gehört, dass da draußen bei den Höhlen seltsame Dinge geschahen. Die Schweinehirten hatten erzählt, ihre Schweine seien von einer Klippe ins Wasser gestürzt, weil alle wilden Gedanken aus dem Mann in die Schweine gefahren seien. Und sie hatten erzählt, dass der Mann gesund sei.

Nun standen die Menschen aus der Stadt um Jesus, den geheilten Wilden und um die Freundinnen und Freunde von Jesus. Sie waren beeindruckt. Sie waren verwundert. Wer kann so was? "Jesus, geh weg, du machst uns Angst", sagten sie. "Wer bist du? Woher kommt deine Macht?"

Jesus macht sich mit seinen Freundinnen und Freunden auf den Rückweg. Der geheilte Wilde ging ihnen hinterher. Doch Jesus schickte ihn zurück. Er schickte ihn mit einem Auftrag zurück: "Geh zurück zu deiner Familie. Geh zu deinen Freunden. Lebe das Leben, das dir bislang nicht möglich war, mit den wilden Gedanken in deinem Kopf. Und erzähle allen, was Gott dir Gutes getan hat."

Da drehte sich der Mann um, nickte und ging zurück in seine Stadt, an der Wildnis mit den Höhlen vorbei, zu den Häusern, in einem davon wohnte auch seine Familie.

Was für eine wilde Geschichte. Ich habe es euch ja vorhin schon gesagt.

Ein Mann, der so ein einsames Leben führt. So krank ist. Sich vor sich selber fürchtet. Und dann kommt Jesus und hält seine Wildheit aus und macht ihn gesund.

Ihr wisst ja schon, dass ich den Psalm 18 aus meiner Kindheit gut kenne. Manche Verse haben mir in Angst und Kummer geholfen. Lasst mich nachdenken, ob ich auch Verse für den geheilten wilden Mann in dem Psalm 18 finde.

Natürlich sind da welche.

Du führtest mich auf einen neuen Weg, du halfst mir heraus an den lichten Tag. Ja, du bist mein Licht! Du machst meine Finsternis hell! Mit dir überwinde ich Mauern, mit dir übersteige ich mein Elend.

Wenn ich der geheilte, wilde Mann wäre, ich würde mir eine Melodie für diese Sätze ausdenken und dazu tanzen.

Du führtest mich auf einen neuen Weg, du halfst mir heraus an den lichten Tag. Ja, du bist mein Licht! Du machst meine Finsternis hell! Mit dir überwinde ich Mauern, mit dir übersteige ich mein Elend.

Und während ich hier stehe, euch die Geschichte erzähle, wird es langsam Abend. Und ich habe mich noch nicht um das Abendessen gekümmert. Mein Mann will nicht mit leerem Magen zum Fischen auf den See hinausfahren. Und die Kinder werden auch gleich vom Spielen zurückkommen und Hunger haben. Also werde ich geschwind noch Getreide mahlen und mein Feuer schüren. Dann gibt es Fladenbrot und Oliven. Das macht schön satt. 

Nächste Woche hört die junge Frau eine andere Geschichte, von Jesus und denkt darüber nach.

Lk 8, 26-39 + Ps 18, 20+29-30

25.1. 2025

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Die Geschichte von der bittenden Witwe

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Jesus stillt den Sturm. Petrus und Andreas erzählen die Geschichte und eine Frau denkt dazu nach.