Die Geschichte von der bittenden Witwe

Du kennst mich schon. Ich bin die Frau des Fischers. Mein Mann war früher mit Petrus und Andreas zum Fischen gefahren. Doch nun sind die beiden ja mit Jesus unterwegs und mein Mann fährt alleine mit dem Boot auf den See Genezareth. Doch immer mal wieder kommen Petrus und Andreas bei uns vorbei und erzählen von ihrem Leben mit Jesus. Manchmal ist es sehr aufregend, was sie da erlebt haben mit Jesus. Und manchmal bringen sie Geschichten mit, die einem zum Nachdenken einladen.

Als sie diese Tage hier waren, hatten sie eine Geschichte dabei. Eine Geschichte zum Nachdenken.

Eine kleine kurze Geschichte. Ich erzähle sie dir mal: 

"In einer Stadt lebte ein Richter, der sich darum kümmerte, dass es ihm gut geht. Er nahm auf keinen Menschen Rücksicht.  In der Stadt wohnte auch eine Witwe. Ihr Mann war gestorben und sie musste für sich selbst sorgen. Sie hatte Stress mit einem Nachbarn. Er schuldete ihr was und gab es ihr nicht. Vielleicht fühlte er sich stark, weil die Frau keinen Mann mehr hatte. Also ging die Witwe zum Richter und erzählte ihm, was vorgefallen war und bat den Richter ihr zu helfen. Doch der Richter wollte ihr nicht helfen. Was würde er davon haben, ihr zu helfen? Sollte sie sich doch mit ihrem Nachbarn herumärgern. Es brachte ihm keinen Vorteil, der Witwe zu helfen. Doch die Witwe war zäh, wieder und wieder ging sie zum Richter und bat ihn, ihr zu helfen. Das war dem Richter lästig. Er kannte doch die Geschichte schon, vorwärts und rückwärts. Konnte ihn diese Frau nicht einfach in Ruhe lassen? Doch die Witwe ließ ihn nicht in Ruhe. Jeden Tag machte sie sich auf den Weg zu ihm, wartete, bis sie an der Reihe war, mit ihm zu sprechen, und bat auf ein Neues um Unterstützung durch den Richter. Und eines Tages war es dem Richter zu viel. Er hatte erkannt: Diese Frau gibt keine Ruhe. Sie wird immer weiter bitten. Ruhe bekam er nur, wenn er der Witwe zu ihrem Recht verhilft. Also wies er den Nachbarn an, der Witwe zu geben, was ihr zusteht."

Das war die Nachdenk-Geschichte von Jesus.  Und ich muss sagen. Ich hatte einiges nachzudenken. Was ist das denn für ein Richter? Da kommt eine Witwe, die alleine ihr Leben meistern muss und bittet um ihr Recht. Ja, wofür ist denn ein Richter da? Der ist doch da, um Recht zusprechen. Ein gerechtes Recht soll er sprechen und nicht seine eigenen Vorteile suchen. Also, der ist für mich ein schlechter Richter. 

Die Witwe tut mir leid. Die ist echt arm dran, ein schlechter Richter, der nicht für sie eintritt und dann ein Nachbar, der denkt, nur weil sie eine Witwe ist, kann er sie unfair behandeln. Die Witwe tut mir leid. Sehr leid.

Und als ich schon fast für sie im Mitleid versinke, da kommt mir ein neuer Gedanke. Was für eine starke Frau ist denn diese Witwe? Nein, sie zieht sich nicht die Decke über den Kopf und gibt auf. Sie ist beharrlich. Immer wieder geht sie zu dem Richter. Sie hält es aus von ihm blöd angeschaut zu werden. Der hat sicherlich oft die Augen verdreht, wenn er die Witwe wieder sah. Das hält die Witwe aus. Sie weiß, sie ist im Recht. Und der Richter hat die Aufgabe, Recht zu sprechen. Wer sollte ihr, außer dem Richter, zum Recht gegen den ungerechten Nachbarn verhelfen? Sie geht hin und bittet und bittet und bittet. Solange bis sie Recht bekommt. Tolle Frau! Das hat sie sich wirklich verdient. Ich freue mich mit ihr.

Doch dann ist da noch ein anderer Gedanke. Warum erzählt Jesus die Geschichte?

Ja, darüber habe ich länger nachgedacht. Dass es schlechte Richter gibt, das war wohl nicht sein Hauptziel. Dass es ungerechte Nachbarn gibt, die denken, sie könnten Witwen ungestraft ärgern, das war wohl auch nicht sein Ziel mit der Geschichte.

Jesus möchte, dass wir was von der Witwe lernen. Jesus erzählt mit der Geschichte, schau es dir von der Witwe ab. Sei dir nicht zu fein um etwa zu bitten. Bitte unermüdlich, mit viel Geduld und halte es aus, dass es manchmal lange dauert, bis du am Ziel bist.

Ja, das mit dem Bitten ist nicht so einfach. Wenn ich eine Nachbarin bitte mir etwas zu zeigen, was ich nicht kann, vielleicht bei den Näharbeiten an den Kinderkleidern, dann sage ich ihr ja damit immer auch, wo ich noch nicht so recht Bescheid weiß. Aber Bitten hilft. Meine Nachbarin hilft mir gerne und zeigt mir gerne Kniffs beim Nähen. Und wenn ich meine Kinder bitte mir beim Kornmahlen zu helfen, dann kann es passieren, dass sie alle beide mit Begeisterung dabei sind. Natürlich haben sie dazu nicht alle Tage Lust. Aber ich kann sie immer wieder bitten, und wenn sie ja sagen, dann freue ich mich.

Also Bitten ist eine gute Sache, es macht Gemeinschaft mit meinen Kindern, meiner Nachbarin, oder wen auch immer ich bitte.

Und dann, dann ist es mir noch eingefallen. Jesus erzählt ja seine Geschichten, um von Gott zu erzählen. Das ist der springende Punkt: Jesus erzählt die Geschichte um zu sagen. Betet, bittet Gott. Schaut mal, so ein ungerechter Richter lässt sich von der Witwe dazu bringen - durch unermüdliches Bitten - lässt er sich dazu bringen, der Witwe zu ihrem Recht zu verhelfen. Wie wird es dann erst sein, wenn wir den menschenfreundlichen Gott, unseren himmlischen Vater, um etwas bitten. Gott lässt sich gerne bitten. Also betet zu Gott. Sagt ihm alles, was euch auf dem Herzen liegt.

Und weil ich gerade so im Nachdenken bin, da fällt mir mein Psalm 18 wieder ein. Gibt es da Verse, die zu der Geschichte von der bittenden Witwe passen.

Na klar. Du hast es dir wahrscheinlich schon gedacht. Die hier sind mir eingefallen.

Du gibst mir Kraft. Du ebnest meinen Weg. Du machst meine Füße leicht, den Hirschen gleich, und leitest mich über die Berge meiner Sorge.

So muss es doch gewesen sein. Diese Witwe mit ihrer Sorge um ihr Recht. Mit der Kraft, so lange zu bitten. Immer wieder aufs Neue den Weg zum Richter zu gehen. Und am Ende ist sie über den Berg ihrer Sorge.

Nächste Woche denkt die junge Frau über den Psalm 18 weiter nach. Was da für Geschichten vielleicht noch darin versteckt sind.

Lk 18, 1-8 + Ps 18, 33,34,37

1.2. 2025

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Psalm 18: Gott kann man alles erzählen

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Jesus heilt einen Menschen. Er vertreibt seine wilden Gedanken im Kopf.